MKV Newsletter 01/2017

MehrWert durch gute Führung

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Was lange wärt wird endlich gut.
Der erste MKV-newsletter liegt vor und soll jetzt vier bis fünf Mal im Jahr erscheinen.

Im ersten Newsletter geht es um Burnout und Authentische Führung.

Richard Wermes hat sich intensiv mit dem Thema Burnout beschäftigt. Unter Burnout versteht man eine körperliche, psychische und soziale Erschöpfung über einen Zeitraum von mindestens 6 Monaten. Diese Veränderung kommt jedoch nicht abrupt, sondern schleichend über einen längeren Zeitraum. Der Autor sieht in der Prävention große Chancen für alle Seiten, für die Betroffenen selbst, aber auch für das Unternehmen.

Gisela Axmacher-Bopp schreibt in Ihrem Artikel über Authentische Führung. Erfolgreich führen kann nur, wer sich seinen Mitarbeitern und Kollegen gegenüber aufrichtig, ehrlich und integer verhält.
Kann aber eine Führungskraft  ehrliches Verhalten zeigen, wenn Sie so viele Rollen übernimmt und in verschiedenen Situationen jeweils angemessen  reagieren muss?
Sie behauptet ja und beschreibt einen guten Weg dahin.

Viel Spaß beim Lesen und wir freuen uns über Ihre Rückmeldung!
Ihre Maria von Harpe

 

Ausgebrannt – wie man Burnout erkennen, vorbeugen und bewältigen kann.

von Richard Wermes

Man fühlt sich ausgebrannt, niedergeschlagen und erschöpft. Im Arbeitsalltag moderner Industrienationen, in den Medien und in der Wissenschaft ist der Begriff Burnout allgegenwärtig geworden. Hinter dem modischen Anglizismus versteckt sich eine „eine unspezifische Stresserkrankung“[1], die nichts anderes als das Krankheitsbild depressiver Erkrankungen bedeutet.

Was ist Burnout?

„Yes We Can“ – der Wahlkampf-Slogan des US-Präsidenten Barack Obama könnte auch ein Motto der modernen Arbeitswelt sein. Wir alle wollen Leistungsfähig, stark und unerschütterlich sein, unsere Aufgaben möglichst schnell, gut und am besten noch gleichzeitig bewältigen. Dabei vergisst man schnell seine eigenen Grenzen.

Oft werden veränderte Anforderungen dafür verantwortlich gemacht, dass Burnout ein zunehmend beachtetes, problematisches und folgenreiches Phänomen geworden ist. Dabei fühlt sich wohl jeder von Zeit zu Zeit ausgebrannt und vom alltäglichen Stress der Arbeit überfordert. Im medizinischen Sinne spricht man tatsächlich erst dann von einem Burnout, wenn dieser Stress weitläufige Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat und entstandene Erschöpfungszustände für mindestens sechs Monate bleiben. Zudem können nicht nur der Bereich der Arbeit, sondern auch die Familie oder andere sozialen Beziehungen betroffen sein, jeweils ursächlich sind mangelnde Belohnungs- und Entspannungsmomente. Wenn jemand unter Einsatz seiner ganzen Kraft arbeitet, aber trotzdem keine entsprechenden Erfolge oder Anerkennung verzeichnen kann, läuft er Gefahr an einem Burnout zu erkranken. Ebenso geht es denen, die unfähig sind vom Stress ihrer Arbeit oder auch ihrem Privatleben abzuschalten und sich so auf die Dauer hoffnungslos überlasten.

Typischerweise stellen sich die Symptome eines Burnout schleichend ein, so dass Betroffene ihre Probleme in der Regel selbst erst spät bemerken. Am Anfang stehen häufig ein gesteigertes Schlafbedürfnis und ein Rückzug in Bezug auf Arbeits- und Privatleben. Alle Ereignisse und Anforderungen des täglichen Lebens werden eher als belastende Pflicht und nicht als erfüllende Herausforderungen empfunden. Burnout Patienten sind oft ängstlich, dauerhaft gereizt und klagen schließlich über eine verminderte Konzentrations-, Leistungs- und Entscheidungsfähigkeit. Zudem können auch körperliche Symptome auftreten, wie etwa Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme und eine geschwächte Immunabwehr.

Insgesamt geht es hier um eine ernstzunehmende Überforderung der Psyche. Durch ein Übermaß an Stress oder mangelnden Ausgleich bringt sie weitreichende und belastende Symptome mit sich und erstreckt sich auf alle Lebensbereiche der Betroffenen. Gleichzeitiges erledigen von Aufgaben, häufige Ablenkung durch Telefon oder E-Mail sind typische Ursachen für derartigen Stress. Das Krankheitsbild, das sich damit abzeichnet ist als ein Schutzmechanismus des eigenen Körpers und der Psyche zu verstehen. Es gilt entsprechende Warnsignale zu erkennen, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen wahrzunehmen und entsprechend bewusst und nachhaltig mit alltäglichem Stress umzugehen.

Wie kann man Burnout vorbeugen?

Burnout bedeutet neben der Belastung für die Betroffenen auch ein erhebliches Problem für Arbeitgeber. Zehn Prozent aller Fehltage deutscher Arbeitnehmer sind darauf zurückzuführen, so schreibt es das wissenschaftliche Institut der AOK.

Hier gilt es einerseits Erkrankten effektiv zu helfen und außerdem Präventivmaßnahmen einzuleiten. Die Strukturen und Anforderungen, die ein Arbeitnehmer in seinem Job bewältigen muss sind entscheidend dafür, ob er gesund bleibt oder nicht. Präventive Maßnahmen können dementsprechend leicht effektive Ergebnisse erzielen, wenn sie Ursachen und Mechanismen der Diagnose Burnout berücksichtigen. Die heutigen Möglichkeiten durch technische Lösungen scheinen fast grenzenlos, aber die Leistungsfähigkeit von Menschen ist das gewiss nicht. Vor allem dieser Aspekt führt immer wieder zu Problemen und sollte von Arbeitgebern beachtet werden. Zu jeder Tageszeit und auch am Wochenende per Telefon und E-Mail erreichbar sein, ununterbrochenes Arbeiten am Computer – Arbeitsbedingungen sollten generell so angepasst werden, dass keine dauerhaften Überforderungen und somit auch kein permanenter Stress besteht. Natürlich kann Stress im Arbeitsleben nie ganz ausgeschlossen werden und er spielt sogar eine wichtige Rolle für Motivation und Leistungsfähigkeit. Trotzdem gilt es dabei die Belastungsfähigkeit der Arbeitnehmer zu berücksichtigen und gegebenenfalls Ausgleich für bestehende Überbeanspruchungen zu fördern. Abgesehen vom eigentlichen Arbeitsalltag spielen das Privatleben und das soziale Umfeld eine Rolle wichtige Rolle. Arbeitgeber könnten hier grundsätzliche Unterstützung leisten, indem sie über die Diagnose Burnout aufklären, um ihren Mitarbeitern zu helfen auf ihre eigenen Grenzen und ihre Stressbewältigung zu achten.

Was kann man für Betroffene tun?

Ist jemand schließlich doch erkrankt, macht es Sinn zunächst zu beurteilen, ob er sich noch in einer anfänglichen oder schon in einer fortgeschrittenen Phase des Burnouts befindet. Teilweise können für den Anfang auch schon ein paar aufklärende und beratende Coachingstunden viel bewirken. Befindet sich der Betroffene allerdings in einem tiefergehenden Zustand der Erschöpfung, kommt er unter Umständen nur noch mit psychotherapeutischer Hilfe weiter.

[1] von Känel, R. (2008). Das Burnout-Syndrom: eine medizinische Perspektive. Praxis, 97(9), 477-487.

 

Authentische Führung

von Dr. Gisela Axmacher-Bopp

In den letzten Jahren ist in der Führungs-Literatur häufig von „Authentischer Führung“ zu lesen – was ist damit gemeint und wobei soll Authentizität hilfreich sein?

Das sind Fragen, die gar nicht so leicht zu beantworten sind und wo man nachschaut, findet man unterschiedliche Antworten.

Was versteht man darunter – Authentische Führung?

In der Brockhaus Enzyklopädie wird Authentizität definiert als „Echtheit“ und es wird weiter ausgeführt: „…die Übereinstimmung von Gefühls-Äußerungen mit dem inneren Erleben des Betreffenden, so dass sie nicht aufgesetzte Maske oder höfliche Form ohne inneren Gehalt sind.“

Es geht also darum, dass wir unsere Gefühle manchmal nicht zeigen. Ein Grund kann sein, dass wir uns verletzlich fühlen. Ein Anderer, dass wir uns gar nicht über unsere Gefühle bewusst sind. Zum Beispiel können Gefühle in Mitarbeitergesprächen durch ganz unterschiedliche Dinge ausgelöst werden: Natürlich durch das, was unser Gegenüber uns berichtet, aber beispielsweise auch durch eine aufkommende Erinnerung an ein früheres Gespräch mit diesem Mitarbeiter. Vielleicht müssen wir auch plötzlich an gestern Abend denken, als wir uns über etwas ganz Anderes gefreut oder geärgert haben. Oder der Mitarbeiter der vor uns steht, erinnert uns an einen entfernten Cousin, den wir nie mochten und dieses Gefühl überträgt sich auf die Kommunikation mit dem Mitarbeiter.

Ziel ist es nicht, alle unerwünschten Gefühle zu unterdrücken, sondern diese bewusster wahrzunehmen. Dann können wir anders damit umgehen und je nach Situation entscheiden, welchem Gefühl wir in der jeweiligen Situation Ausdruck verleihen wollen.

Bewusstheit kann es auch ermöglichen, eigene Bedürfnisse zu benennen: „Was Sie gerade gesagt haben, löst bei mir die Sorge aus, sie könnten …“.

In vielen Situationen gibt es auch gute Gründe, seine Gefühle nicht zu zeigen. Wenn wir zum Beispiel andere dadurch verletzen oder demotivieren würden, kann es besser sein, den entsprechenden Gefühlen keinen Ausdruck zu verleihen.

R. Goffee und G. Jones[1] zitieren eine Personalleiterin in ihrem Artikel: „Ich möchte mir treu bleiben, aber ich zeige jeweils nur Facetten meiner Persönlichkeit. Die Leute bekommen einen Teil von mir zu sehen. Ich zeige keine Fassade, aber eben auch nur das, was für die jeweilige Situation wichtig ist.“

Gelingt dies, resultiert daraus etwas, was Sven Brodmerkel[2] als „Paradoxon“ bezeichnet: „Authentizität ist etwas Inszeniertes“.

In der Literatur zu authentischem Verhalten wird dazu auch das Vertreten von eigenen Standpunkten gezählt. Schnell passiert es, dass man einen eigenen Standpunkt nicht deutlich macht, obwohl man anderer Meinung ist. Dies kann Vorteile haben, bringt aber gerade für Führungskräfte oft auch Nachteile mit sich. Zum Beispiel bemerken es andere und man verliert an Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft.

Authentische Führung – wozu?

Auf einige Vorteile authentischer Kommunikation kamen wir schon zu sprechen. Weitere werden genannt (z.B. Schlegel, 2009):

– wir können in Stress- und Krisensituationen souveräner reagieren, wenn wir wissen, welche Überzeugungen und Werte für unser Handeln ausschlaggebend sind,

– wir können uns im Kontakt mit Anderen besser auf die jeweilige Situation einlassen,

– es fällt uns leichter Vertrauen zu entwickeln in uns selbst und Andere und uns von Zuschreibungen und Vorwürfen anderer abzugrenzen.

[1] Goffee, R. & Jones, G. (2006). Führen mit Charakter. Harvard Business Manager, März, 2-9.

[2] Brodmerkel, S. (2007). Wann sind Manager echt? Authentisch führen. ManagerSeminare, 109.